Montag, 14. März 2016

Der Pleitegeier



Es kann im Leben immer mal vorkommen, dass man in die Schulden rutscht. Grade jetzt, wo die Banken sich bei der EZB (Europäische Zentralbank) für 0,0% Zinsen Geld leihen können, wird es nicht mehr lange dauern bis der Briefkasten mit Werbung für Privatkredite zugemüllt wird. Und man kommt so leicht in Versuchung, sich Kohle zu borgen, wenn der Zinssatz von der Bank „nur“ 6,9% beträgt (laut Wurfsendung vom letzten Samstag). Dass die Bank selbst sich das Geld (zu der Zeit) für 0,5% bei der EZB geliehen hat und somit 6,4% daran verdient (+Bearbeitungsgebühr, Versicherung usw.), darauf wollen wir heute mal nicht näher eingehen.

Jedenfalls kommen sehr viele Menschen in Versuchung sich Geld zu leihen um sich mal die Konsumwünsche, Produktträume oder Sonstiges zu erfüllen. Aber was, wenn die monatliche Tilgung aussetzt, der Kredit deswegen aufgekündigt wird und dann plötzlich der Gesamtbetrag auf einmal fällig ist.

Der Beitrag soll jetzt nicht eine Anleitung zum Schuldenmachen sein, sondern eher grob ein paar Empfehlungen geben, wenn da plötzlich hohe Schulden ins Haus kommen und man nur ein kleines Budget zur Verfügung hat.

Das wichtigste, was man auf jeden Fall weiterhin bezahlen sollte(!), sind Miete und Strom. Dach über den Kopf und Licht in der Bude sind (neben Nahrung) das, was sichergestellt sein muss. Natürlich wird der Strom nicht sofort abgestellt und die Wohnung auch nicht sofort gekündigt, wenn man mal einen Monat hinterherhinkt. ABER! Ja ich verwende mit Absicht Capslock. ABER wenn man in dem einen Monat nicht bezahlt, steht im Monat darauf eine doppelte Belastung an. Daher würde ich -was Wohnungsmiete und Strom betrifft- in den Bereichen nicht pokern, sondern sicherstellen, dass dies immer bezahlt wird.

Je nachdem wie hoch die Schulden sind, sollte man sich überlegen, sein Konto in ein Pfändungsschutzkonto umzuwandeln. Das ist problemlos möglich und dauert, je nach Bank, bis zu 4 Tage. Solange keine Pfändung durch die Gläubiger erfolgt, bleibt das Konto ein ganz normales Girokonto. Erst mit Pfändung greift der Pfändungsschutz (gilt der Pfändungsfreibetrag). Zum Pfändungskonto selbst schreibe ich gerne mal einen Extra-Beitrag sofern Interesse besteht.

Kommen wir nun zu den Gläubigern. Wenn man auf die Mahnschreiben oder Drohungen „Sie kommen auf die schwarze Liste“ nicht reagiert, wird es schlimmer und teurer. In jedem Fall sollte man den Gläubiger darüber informieren, dass man aktuell Zahlungsschwierigkeiten hat und -je nach Finanzlage- entweder um Stundung (Zahlungsaufschub) bitten oder anfragen, ob eine Ratenzahlung möglich ist. Was man auch anfragen kann ist, ob man aus laufenden Verträgen ohne Frist entlassen wird (also sofort kündigen könnte). Das liegt aber im reinen Ermessen des Gläubigers, ob er sich darauf einlässt.

Sollten Inkassoschreiben eintrudeln, nie die Anlage unterschreiben/ zurücksenden und auch keine finanziellen Daten herausgeben. Die Anlagen zum Schreiben sind oft vorformulierte Schuldanerkenntnisse aus denen man sofort vollstrecken kann. Auch ist man nicht verpflichtet, Angaben zu seinem Vermögen zu machen. Erst wenn der Gerichtsvollzieher an die Tür klopft, muss man ein Vermögensverzeichnis abgeben.

Was man machen kann, ist das Inkasso darüber zu informieren, dass man z.B. Sozialhilfe oder Hartz 4 bezieht und dann einen Auszug vom Bescheid als Kopie mitsenden. Auszug deswegen, weil im kompletten Bescheid ja die Kontodaten vermerkt sind und man dann wieder Informationen an das Inkasso gibt, die man nicht herausrücken muss. 

Ihr habt hiermit nun einen ganz groben Rahmen, was man unternehmen kann, wenn der Pleitegeier über einen kreist. Wenn es euch gefallen hat, lasst gerne Bargeld da, denn diesen Monats wird’s echt knapp. :<


1 Kommentar:

  1. Ein sehr guter Blog, den sich gerade junge Menschen zu Herzen nehmen sollen.

    Ich bin generell der Meinung, dass reine Konsumartikel wie ein Smartphone, ein Tablet, ein PC oder ein Konsole überhaupt nicht auf Kredit gekauft werden sollen. Zu hoch ist die Versuchung des öfters zu machen, weil man beispielsweise ja "nur" 20 € pro Monat dafür bezahlt, aber am Ende zahlt man nicht selten zahlt man am Ende wegen den Zinsen ordentlich drauf. Deshalb lieber ein paar Monate einfach selbst etwas Geld zur Seite legen, auch wenn es für manche Menschen schwierig ist.

    Muss dir auch zustimmen bei dem Punkt, dass Miete mitsamt allen Nebenkosten (auch Wasser) und Nahrungsmittel nicht zu vernachlässigen sind. Diese fallen jeden Monat aufs Neue an, weshalb man hier nicht einfach so eingreifen kann und einfach sagen kann, diesen Monat schränke ich mich bei meinen Ausgaben ein und zahle einfach keine Miete.

    Kritisch sehe ich nur den Punkt mit den Inkassodienstleistern. Sicherlich mit den Gläubigern reden ist immer sinnvoll anstatt deren Schreiben zu ignorieren und womöglich sogar ungelesen einfach in den Papierkorb wandern zu lassen. Aber gerade unerfahrene Personen, womit wir beim Thema junge Leute sind, auch wenn es ältere Mitmenschen genauso treffen kann, nehmen das womöglich auf die Schulter und kann man leichter über den Tisch ziehen. Deshalb sollte man nichts vorschnell sagen und schreiben, sowie die gewählten Worte genau abwägen.

    Zu guter Letzt möchte ich den Leuten einfach dazu raten, einfach einmal eine Tabelle zu machen mit den (festen) monatlichen Einnahmen und Ausgaben. Sicherlich sind die Ausgaben beispielsweise für Lebensmittel jeden Monat anders, aber einen ungefähren Wert wird man schon feststellen können. Danach sieht man relativ gut, wo vielleicht Einsparpotenzial besteht (Fitnessstudio schon ewig nicht mehr besucht, überteuerter Handyvertrag, unnötige Versicherungen) und gezielt Geld ansparen. Gegebenenfalls kann man dies später auch in einem richtigen Haushaltsbuch festhalten, sofern man genügend Motivation dafür aufbringen kann. (Ich kann dies nicht.) Dann braucht man auch schon für viele Dinge keinen Kredit mehr und bekommt gleich ein angenehmeres Gefühl für seine Finanzen.

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